Es gab eine Zeit, als es als unprofessionell galt, im Englischunterricht ein deutsches Wort zu sagen. Alles sollte in der Fremdsprache geschehen. Und das hatte seinen Grund: Die Zeit des Paukens von Grammatikregeln und des Übersetzens sollte endgültig vorbei sein und von nun an sollte die Kommunikation im Englischunterricht gefördert werden. Dazu gehört auch das Erklären von Wörtern auf Englisch.
In der Berufsschule gibt es jedoch viele Fachgebiete und Fachwörter, die einfach gelernt und gewusst werden müssen. Die deutsche Bedeutung ist einfach wichtiger als ihr Anwendungszusammenhang. Gutes Beispiel hierfür sind die Incoterms. Sie werden verwendet, um festzulegen, wer den Transport einer Ware bezahlt und wer die Haftung trägt. So bedeutet ex works (EXW), dass der Käufer die Ware abholt, also ab Werk.
Übersetzungen im Englischunterricht sind nicht von großem Wert. Schließlich geht es darum, zu kommunizieren, ohne einen Text (z.B. einen Brief) wörtlich zu übersetzen. Besonders unsinnig sind dabei wörtliche Übersetzungen in die Fremdsprache. Sie misslingen meistens, weil der Übersetzer nicht über das Sprachgefühl eines Muttersprachlers verfügt.
Mediation ist dagegen eine Methode der Kommunikation. Häufig gibt es im Arbeitsalltag Situationen, in denen die jenigen, die die Fremdsprache beherrschen, den anderen den Inhalt eines Schreibens oder eines Gespräches auf Deutsch wiedergeben sollen. Diese jedoch können mit einer wörtlichen Übersetzung nichts anfangen. Sie wollen wissen, was zu tun ist und worum es sich handelt.
Wir verwenden die Mediation im Unterricht zur Übertragung des Inhaltes von Fachtexten und Briefen ins Deutsche. Damit üben wir unser Verständnis der Fremdsprache und zugleich Situationen wie dieser:
“Sag mal, da ist eben ein Fax angekommen, es ist auf Englisch. Kannst du mir eben mal sagen, was da drin steht?”
Schön, wenn Sie dann sagen können: “Zeig mal her, das haben wir gleich. Kannst du mitschreiben?”

horaz
/ 5. Dezember 2010Es ist sicherlich richtig, dass in der beruflichen Praxis häufig die Mediation statt einer wortgetreuen Übersetzung verlangt wird. Besonders im Kontext der Berufsschule ist das wunderbar.
Als (zukünftiger) Französisch- und Lateinlehrer (an einem Gymnasium) habe ich – berufsbedingt – dennoch eine gewisse Schwäche fürs Übersetzen: gerade die Details, derer man sich hervorragend beim Übersetzen bewusst wird, machen es nämlich aus, ob man eine Fremdsprache tatsächlich beherrscht oder nur die Strukturen der Muttersprache mit fremden Vokabeln einkleidet.
Aus genau diesem Grund wird man an der Universität als Philologiestudent gezwungen, in die Fremdsprache zu übersetzen.
NB: Das soll nicht heißen, dass ich all das bei einem Schüler voraussetzen würde! Ich möchte nur auf den prinzipiellen Wert des Übersetzens hinweisen.
lehrergehrke
/ 2. Januar 2011Hallo, horaz,
Im englischunterricht bevorzuge ich das Trainieren von Phrasen, die immer wieder vorkommen, z.B. in der Handelskorrespondenz.
für die lateinische Sprache kann ich mir Übersetzungen gut vorstellen. Mit der Kommunikation in der Fremdsprache ist es da ja wohl etwas schwierig oder?
Im übrigen bin ich manchmal erstaunt, wie wenig die Azubis an Englisch-Kenntnissen von der allgemein bildenden Schule mitbringen. Vieles muss an Strukturen wiederholt werden, bevor überhaupt Wirtschaftsenglisch unterrichtet werden kann. Aber ich will nicht ungerecht sein. Die allermeisten meiner Azubis geben sich große Mühe, mit der Kommunikation im Wirtschaftsbereich klar zu kommen. Wenn man bedenkt, wie viel ein Kurs für Wirtschaftsenglisch in Sprachschulen kostet, ist das eine gute Chance, zumindest grundlegende Kenntnisse zu erwerben.